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Was ist Selbstverletzendes Verhalten (SVV) und welche Formen gibt es?
Annette:
Mit 15 habe ich begonnen, mich selbst zu verletzen. Ich verkroch mich in meinem Zimmer. Es war wie immer, die haben mich immer nur angebrüllt und dann die Türen zugeknallt. Immer haben sie am Anfang gesagt, sie würden mich verstehen, und dann? Nicht die blasseste Ahnung haben die! Ich habe mich in meinem Hochbett verkrochen. Wie von selbst begannen meine Hände einen spitzen Gegenstand zu suchen. Sie fanden eine Nageschere. Vielleicht wollte ich nur einmal wissen, wie das ist. Dochd ann sind da endlich die Schmerzen, aber die sind anders als die Schmerzen, die mir meine Eltern zugefügt haben. Ich sehe das Blut und habe das Gefühl, die Elternschmerzen endlich überwunden zu haben. Am nächsten Morgen habe ich meine Eltern angelogen, habe ihnen gesagt, daß ich mich im Schlaf wohl auf die Nagelschere gelegt hätte. Meine Mutter hat mich bloß angeschrien und gesagt, ich solle das Bett gefälligst selber sauber machen. (Niklewski u. Riecke-Nieklewski, 2003, S. 63-64)
Dieses Beipiel einer jungen Frau mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist nur eines von vielen, die möglich sind, um Selbstverletzendes Verhalten zu beschreiben. Welche Methoden wenden Menschen an, um ihrem Körper und sich selbst Verletzungen zuzufügen? Hier eine Liste mit den möglichen Erscheinungsformen:
- Schneiden der Haut mit verschiedenen Gegenständen: Scheren, Messern, Glasscherben u.a.
- Verbrennen oder Verbrühen mit heißem Wasser, Bügeleisen u.a.
- Kratzen der Haut mit den Fingernägeln, dabei können offene Wunden entstehen.
- Immer wieder erneutes Offenhalten und Öffnen verheilender Wunden mit den Händen
- Exzessives Nägelkauen oder Nagelbettreißen sowie in die Finger beißen.
- Verätzen der Haut mit Chemikalien
- Einnahme nicht tödlicher Mengen giftiger Substanzen oder Verschlucken von Gegenständen wie Metall u.a.
- Ausreissen von Haaren
- Zerkratzen der Haut mit Dornen, bis die Haut blutet
- Schlagen des Kopfes gegen Wände, Mauern und andere harte Oberflächen
- Exzessives und häufiges Piercen oder Tätovieren lassen kann ein Ausdruck von Selbstschädigung sein im Sinne des Selbstverletzenden Verhaltens (SVV) sein.
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Menschen, die dies längere Zeit, vielleicht sogar bereits seit Jahren machen, sind verzweifelt. Stehen innerlich unter Hochspannung. Im Moment der Selbstverletzung wird oftmals kein Schmerz gesprürt. Der Schmerz kommt erst später. Aber innerhalb weniger Sekunden weicht der innere Druck. Somit kann ein leidvoller und womöglich suchtartiger Kreislauf in Gang gesetzt werden, der nur schwer und mit therapeutischer Hilfe wieder zu durchbrechen ist. Da bei kann beispielsweise die Dialektisch behaviorale Therapie helfen, in der Patienten nicht schädigende Alternativen zu den bisherigen Selbstverletzungen lernen, mit denen sie aber auch kurzfristig Zustände intensiver Hochspannung herunterregulieren können.
Viele Betroffene halten ihre Narben möglichst gut geheim, bis es sich nicht mehr verbergen läßt. Es ist meist sehr beschämend für sie, wenn jemand entdeckt, daß sie sich selbst Verletzungen zufügen. Manche zeigen ihre Narben und Verbände aber auch offen.
Wenn du selbst betroffen bist, empfehlen wir dir, dir therapeutische Hilfe zu suchen. In der Wohlfühl-Oase findest zu zahlreiche Skiils aus der DBT, mit denen du dem Druck nach Selbstverletzung erfolgreich entgegentreten kannst.
Die "Skills-CD"
Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten
Martin Bohus, Martina Wolf
CD-ROM:
2009
€ 29,95,– [D] / € 29,95 [A]

ISBN 978-3-7945-5141-5
Schattauer Verlag
Literatur
Bohus, Martin; Wolf, Martina: Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten, Manual zur CD-ROM für die therapeutische Arbeit, 2009, Schattauer
Bohus, Martin; Wolf, Martina: Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten, CD-ROM für Betroffene, 2009, Schattauer
Linehan, Marsha: Trainingsmanual zur Dialektisch Behavioralen Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, 1996, CIP-Medien
Niklewski u. Riecke-Niklewski: Leben mit einer Borderline-Störung- Ein Ratgeber für Betroffene und ihre Partner, 2003, TRIAS
Putnam, Frank W.: Diagnose und Behandlung der Dissoziativen Identitätsstörung, 2003, Junfermann
Sachsse, Ulrich: Selbstverletzendes Verhalten, 2002, 6. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht
Empfohlene Internetseiten
Prof. Dr. med. Ulrich Sachsse
Dachverband Dialektisch Behaviorale Therapie e.V.
Dr. med. Khalid Murafi
Borderline Netzwerk e.V.
Selbstaggression
Rote Tränen
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